Assoziation von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern als Ziel im Biobereich |
Assoziative Zusammenarbeit Wirtschaftskrise erreicht Bauern - und was dagegen zu tun ist Wolfgang Ritter, Nürnberg Milch- und Fleischpreise, aber auch andere Agrarerzeugerpreise sind in den letzten Monaten im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Der Deutsche Bauernverband führt den Preisrutsch auf die Wirtschaftskrise zurück. Die Nachfrage aus bevölkerungsreichen Ländern wie Russland und China sei zurückgegangen und die nicht verkauften Exporte drückten nun das Preisniveau (Nürnberger Nachrichten vom 21.10.2009). Der richtige Preis Diese Entwicklung ist nicht verwunderlich, denn so funktioniert heute Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Die Frage aber ist: Darf dieses wettbewerbswirtschaftliche System auch für den Agrarbereich gelten? Die Landwirtschaft bietet mit ihrer Lebensmittelproduktion die Grundlage unserer Existenz. Sie wird in der Volkswirtschaftslehre als Primärbereich bezeichnet. Welche Preise sind im Primärbereich die richtigen? Die richtige Antwort lautet: Unsere Bauern müssen für ihre Produkte so viel erhalten, dass sie auch morgen noch existieren und uns versorgen können. Agrargroßbetriebe neigen aus Kostengründen zur Spezialisierung und zur Monokultur. Damit verbunden ist die Gefahr der Bodenerosion, das vermehrte Auftreten von Pflanzen- und Tierkrankheiten, ein vermehrter Schädlingsbefall und vermehrter Einsatz von Pestiziden, was zu weiterer Umweltbelastung führt. Die Tiere werden nicht mehr artgerecht gehalten und die Artenvielfalt geht zurück. Der Weltagrarbericht von 2008, empfiehlt aus diesen Gründen die Abkehr von der Idee, für die wachsende Zahl der Erdbewohner eine Agrarindustrie aufzubauen (siehe auch Rubrik 7/ Verbrauchermeinung). Wir dürfen also nicht zusehen, wie immer mehr Kleinbauern aufgeben und ihre Felder an Agrarkonzerne verkaufen. Es gilt die kleinbäuerliche Struktur unserer Landwirtschaft mit regionaler Marktversorgung zu erhalten! Erzeugerpreis- und Erzeugermengenfindung Wie können also die richtigen Agrar-Preise zustande kommen und wie können die Erzeugermengen so gesteuert werden, dass unsere Bauern überleben können? Das ist die Frage nach einer bewussten Steuerung von Angebot und Nachfrage und einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit von allen am Wirtschaftsprozess Beteiligten (Erzeuger, Verarbeiter, Groß- und Einzelhandel, Konsumenten). Diese Zusammenarbeit kann in Branchenzusammenschlüssen (Assoziationen) geschehen, in der die Produktions- und Handelsbedingungen für alle – auch den Konsumenten - erfahrbar und verständlich werden und die Erzeuger und Händler die Käuferwünsche und –Möglichkeiten hören. Nach den Wahrnehmungen in den Assoziationen werden Richtpreise und Lieferkontingente vereinbart, mit denen die Erzeuger, Verarbeiter und Händler für ein Jahr rechnen können. Mit diesem Verfahren würden die Zufälligkeiten der Marktschwankungen abgefedert; die Bauern könnten sich darauf verlassen, dass sie ihre Produktion zu einem vereinbarten Preis auch absetzen können. Eine solche Zusammenarbeit geschieht bereits ansatzweise – allerdings ohne Beteiligung des Handels und der Konsumenten. Zwei Beispiele: Bio-Milch-Erzeugergemeinschaften beschließen Preise und Mengen gemeinsam (Upländer Bauernmolkerei und Andechser Molkerei Scheitz), im Rahmen des Projektes Regional & Fair beschließen Bio-Bauern, -Müller und -Bäcker auf der Grundlage der Erzeugerkosten Mindestpreise für Getreide (Biokreis e.V., Bio-Nachrichten, August 2009 und Oktober 2009). Assoziationen im Bio-Bereich Schon seit langem gibt es im Bio-Bereich Zusammenschlüsse von Produzenten und Händlern, z.B. die Anbauverbände (Demeter, Bioland, Naturland, Biokreis), die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AÖL), den Bundesverband Naturkost Naturwaren Herstellung und Handel e.V. (BNN), den Bundesverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BOELW), dem Verbände und Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette ökologischer Lebensmittel angehören. Aber wo ist ein Verband, der die Interessen der Verbraucher im Bio-Bereich vertritt und mit diesen Verbänden zusammen arbeitet? Bio-Verbraucher zahlen gerechte Preise Mit der Gründung des Bio-Verbraucher e.V. Ende des Jahres 2004 wurde eine Organisation geschaffen, die sich diese Aufgabe vorgenommen hat. Sie pflegt – zunächst hauptsächlich im Bereich der Metropolregion Nürnberg – auch die Zusammenarbeit mit Erzeugern und Händlern, die in einer solchen Zusammenarbeit etwas Berechtigtes sehen und Mitglied im Bio-Verbraucher e.V. geworden sind. Wir haben Hunderte Erzeuger und Händler und ihre Produktionsbedingungen persönlich kennen gelernt und schätzen ihr Engagement für eine nachhaltige Landwirtschaft. Unsere Einstellung als Verbraucher hat sich dadurch grundlegend verändert: Wir jagen nicht mehr dem günstigsten Schnäppchen nach, sondern erfreuen uns an der guten Qualität der Bio-Produkte und zahlen dafür den „richtigen Preis“ (siehe oben). Die Erzeuger und Händler des Bio-Verbraucher e.V. sind mit ihrem Angebot auf www.bio-verbraucher.de präsent und haben außerdem die Möglichkeit aktuelle Angebote und Gesuche in unserem Info-Brief und auf der Startseite unserer Internetseiten kostenlos erscheinen zu lassen. Auf diese Weise ist eine gute Zusammenarbeit unter Erzeugern, Verarbeitern (auch Großküchen), Händlern und Verbrauchern zustande gekommen. Neue Produkte finden schnell Interessenten, überschüssige Mengen können rasch preisgerecht untergebracht werden. Ziel: Bio-Assoziation von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern Der nächste Schritt ist die Ausweitung dieser Zusammenarbeit in andere Regionen Deutschlands/ Europas hinein. Um diesen Schritt gehen zu können, ist die (ehrenamtliche) Mitarbeit von Persönlichkeiten notwendig, die die Bedeutung einer Bio-Verbraucherorganisation mit den geschilderten Aufgaben erkennen und bereit sind Kontakte zu Erzeugern, Händlern und Verbrauchern in ihrer Region zu knüpfen. Wenn der Bio-Verbraucher e.V. bundesweit Fuß gefasst hat, können wir uns als Partner der Bio-Erzeuger- und Händlerorganisationen für eine Bio-Assoziation von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern auf Bundesebene empfehlen. Wer möchte und kann am Aufbau dieses bundesweiten Netzwerkes mitarbeiten? Kontakt: ritter@bio-verbraucher.de, Tel. 0911-404827 |